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Questankündigung: Der Puppenspieler

Autor: Ark
Gebiet: Ein alter Wagen, zwischen dem Elfendorf und Port Vain


Iakuralea betrachtete den hageren alten Mann vor ihr und beschloss, dass
ihr die Miene nicht gefiel:
'Alexis, Du hast uns wirklich koestlichst unterhalten, doch wir koennen
 Dir nicht geben, was Du "Gold" oder "Geld" nennst, ganz einfach weil wir
 es nicht kennen ...'
Erschreckt sirrte sie etwas zurueck, als sich das Antlitz des Gauklers zu
verfinstern begann.
'Ihr verfluchten Drecksbienen, ihr luegt, ihr luegt ...
 Irgendetwas von Wert muesst ihr doch haben, ich ziehe doch nicht ganz zum
 Spass umher, verdammt, VERDAMMT !'
Das Geschrei des Mannes nahm beangstigende Formen an, er gestikulierte
wild in der Gegend herum und zeigte immer wieder beschuldigend auf sie,
ausgerechnet sie, Iakuralea, die doch so wenig dafuer tat, dass sich der
Puppenspieler aufregen musste, sie, die sie beschwichtigend auf ihn einge-
redet hatte, wie es ihr Amt als Fir'anaidha der Feen vorschrieb.
Der Frieden, das allererste Gebot der Feen, war hier ernsthaft in Gefahr,
Iakuralea sah bereits, wie sich die Stimmung bedrohlich gegen den alten
Mann aufzuheizen schien. Er schien sich dessen gar nicht bewusst zu sein,
immer weiter geiferte er gegen ihr Volk, beschimpfte es, drohte und wurde
dabei immer unmoeglicher.
Schon sah sie aus den Augenwinkeln, wie die sonst zarten Wangen Tilainas
zu gluehen begannen, ein gefaehrliches Rosa war das, was sich im Gesicht der
Ter'anaidha, der ergebenen Zauberin der Feen, abzeichnete.
Als die Stimmung ueberzuschwappen drohte, wusste Iakuralea, dass sie nun
unbedingt eingreifen musste. Doch ein schuechternes Stimmchen kam ihr zu-
vor. Es gehoerte Ainundhala, der kleinen Schuelerin Tilainas.
'Verehrter Alexis, Eure Muehen sollen nicht umsonst gewesen sein. Doch Ihr
 muesst wissen, dass wir Euch nicht in "Gold" oder "Geld" entlohnen koennen.
 Allerdings habe ich gehoert, dass in Eurer Welt die Magie nicht zum Alltag
 gehoert wie bei uns. Dinge, die mit ihr zu tun haben, werden in grossem
 Ansehen gehalten, ist das richtig ?'
Der alte Mann verstummte und sah sie muerrisch und misstrauisch an. Auch
der Ausdruck der Ter'anaidha hatte sich wieder etwas entspannt, zur immensen
Erleichterung Iakuraleas. Tilaina war offensichtlich gespannt, wie ihre
junge Schuelerin diese prekaere Situation meistern wollte.
Der schmutzige Mensch kratzte sich am Kopf:
'Also, was willst Du damit jetzt sagen, he ?'
Laechelnd zog Ainundhala einen kleinen Holzstab hervor, flog vor den Mann
und legte das Holzstueck zu seinen Fuessen nieder.
'Es ist etwas, was Euch Eure Arbeit nicht nur erleichtern kann, sondern
 sogar zur Perfektion bringt.'
Missmutig blickte Alexis auf den einfachen Stab.
'Ist das jetzt ein bloeder Trick von Euch oder was ? Wollt ihr mich jetzt
 als Dank verhexen oder was ?'
Wieder verdunkelte sich das Gesicht des Gauklers.
'Weit gefehlt, Mensch !'
Die herrische Stimme der Ter'anaidha durchschnitt die aengstliche Zurueck-
haltung der uebrigen Feen, die sich hier auf der Lichtung versammelt hatten,
um dem Menschen bei seiner Auffuehrung zuzusehen. Iakuralea sah, wie die
Hofzauberin vor den Puppenspieler flog. Sie hatte zweifelsohne den Holzstab
von Ainundhala erkannt und war dabei, die Situation nun in ihre eigenen
Haende zu nehmen.
'Dieser Stab wird Euch gute Dienste erweisen, denn er verwandelt nicht nur
 lebende Wesen zu Puppen, sondern erhaelt auch noch ihre Natur, so dass sie
 auch weiterhin lebensecht wirken.'
Spekulierend sah Tilaina den kritisch dreinblickenden Menschen an:
'Was meint Ihr, wie Eure Zuschauer erst in den Bann gezogen werden, wenn sie
 derartig perfekte Puppen sehen ? Nie mehr wieder muesst Ihr sie selbst er-
 schaffen, nie wieder werden sie durch irgendeine Nachlaessigkeit zerstoert.
 Denkt daran, Ihr muesst nur eine Person damit beruehren, schon wird sie zu
 Eurem Werkzeug. So solltet Ihr uns also dankbar sein, anstatt hier wuest
 herumzuschreien. Nun, nehmt Ihr das Geschenk an ?'
Es entstand eine lange Pause, in der sich die Stirn von Alexis in tiefe
Falten legte. Scheinbar versuchte er, den Wert des Stabes zu kalkulieren.
Seufzend blickte die Fir'anaidha beiseite. Sie kannte die Macht des Stabes,
den Ainundhala als Uebung in ihrer Ausbildung bei der Ter'anaidha erschuf.
Er wuerde unter der Herrschaft des alten Mannes sicher fuer Unmut unter den
Menschen sorgen. Andererseits war sichergestellt, dass er nach dessen Tod
wieder zu Tilaina zurueckkehren wuerde. Nunja, wenn das der Preis war, dass
der unmoegliche alte Mann die Feen unbehelligt liess, wuerde sie, Iakuralea,
es gutheissen.
Nach einer Weile erhellte sich die Miene des alten Mannes. Er grinste:
'Ich akzeptiere das Geschenk ...'

 
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