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Die Gladiatorenschule – Gegner oder Fallobst?

- von Dotz -

Endlich war es auch für mich soweit, dass ich mir Hoffnungen machen konnte, eines Tages den Rang eine Zalkh´Batars zu bekleiden. Bevor ich jedoch einen Kragen mit Sanduhr tragen durfte, musste ich, wie es bei den Trves gute Tradition ist, unsere Bibliothek um einen selbst verfassten Bericht bereichern. Ich begab mich also zum Kommandanten und bat ihn darum, mir ein Thema zuzuweisen. Anscheinend kam diese Bitte gerade recht, denn wie aus der Armbrust geschossen antwortete er: „Mir ist zu Ohren gekommen, dass eines unserer ehemaligen Mitglieder eine sogenannte Gladiatorenschule gegründet hat. Mir liegen zwar schon einige Meldungen darüber vor, aber bisher fehlt ein systematischer Bericht. Begib Dich also in diese Schule und schau Dir an, was dieser Optimus seinen Gladiatoren so alles beibringt. Damit wir uns klar verstehen: Mich interessieren weder Sauflieder noch schöngeistige Vorträge über Architektur. Es geht hier allein darum, Kampfkraft und -technik einer uns nicht unterstellten Gruppierung zu erkunden. Wegtreten!“

Im Gegensatz zu vielen meiner Vorgänger war ich mit meiner Aufgabe nicht unzufrieden. Gladiatoren – das klang nach ehrlichen Zweikämpfen, bei denen allein das Waffengeschick und nicht irgendwelche hinterhältigen Zaubertricks entscheidend waren. Ich machte mich also auf, diese Gladiatorenschule zu suchen, und fand sie auch erwartungsgemäß in der Nähe der Arena. Eingedenk der Lektionen meiner Lehrer wollte ich mir zuerst einen Überblick über das Terrain verschaffen und bat die Wache vor dem großen Portal, mir doch das Tor zu öffnen. Die Antwort bestand in einem geknurrten „Nur über meine Leiche!“. Nachdem ich schon etwas verstimmt der Wache ihren Wunsch erfüllt hatte, trat ich also durch das Tor. Während der Ortsbesichtigung traf ich immer wieder auf Wachposten, die mich alle als Eindringling betrachteten und angriffen. Nachdem ich die Wachstube gesäubert hatte, gelangte ich auch zu Clodius Optimus, der schon von der Dezimierung seiner Wache gehört hatte. Um nicht plötzlich in einer unbewachten Schule zu sein, stellte er mir einen Passierschein aus, so dass ich mich ungehindert auf dem Gelände der Schule bewegen konnte.

Nachdem ich mich also mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut gemacht hatte, begann ich damit, mich meiner eigentlichen Aufgabe zuzuwenden. Die Wachposten kannte ich schon, und zu ihnen kann ich nur sagen, dass sie grimmiger aussehen, als sie eigentlich sind. Hinter dem Eingangstor traf ich auf eine Löwin, die allem Anschein aber nur eine Art Maskottchen ist. Ich beschloss, mich systematisch vorzuarbeiten, und betrat die Trainingshalle im Süden. Dort erwartete mich schon ein Faustkämpfer, der sich auf meine Herausforderung hin einer Technik bediente, die ich sonst nur von Zauberern kannte. Nachdem ich deutlich erkannte, dass ich diesem waffenlose Kämpfer dank meines Schwerts erheblich im Vorteil war, bot ich dem Unbewaffneten im Nebenraum an, beim Zweikampf ebenfalls ohne Waffe zu kämpfen. Er aber lachte nur und meinte, dass er schon dafür sorgen würde. Während des folgenden Kampfes wurde deutlich, was er damit meinte. Genutzt haben ihm aber weder sein spezieller Kampfstil noch seine Wurfübungen. Weiter ging es also bei den Schwertkämpfern, von denen einer mit Zweihänder, der andere mit Schwert und Dolch kämpfte. Da ich ebenfalls ein Schwert benutzte, waren diese beiden schon eher nach meinem Geschmack – zumindest vor dem Kampf. Als einer der beiden jedoch den Kampf mit einem schlampig ausgeführten Todesstoß eröffnete, konnte ich nur innerlich seufzen und beendete diese Jammervorstellung schnell. Irgendwie hatte ich mir unter Gladiatoren etwas anderes vorgestellt. Um es kurz zu machen: Auch der Netzkämpfer und der Tierbändiger landeten erst auf dem Boden und dann in der Schublade „Fallobst“.

Etwas übellaunig gelangte ich zum Kai, wo mich ein Stauer anpöbelte – allerdings nur einmal. Nebenan war die Schmiede, und da die bisherigen „Gegner“ eher enttäuschend waren, beschloss ich, einmal den Cyklopen und dem Schmied auf den Zahn zu fühlen. Dabei konnte ich dann feststellen, dass Cyklopen tatsächlich so hitzeunempfindlich sind, dass sie mich sogar mit flüssigem Eisen bespritzen konnten. Der Schmied war zwar nicht besonders agil, aber robuster als seine Kollegen. Es war allerdings offensichtlich, dass er wohl noch nie eine Zahnbürste benutzt hatte. Immerhin, hier war ich zum ersten Mal auf jemanden gestoßen, der mir einen Kampf statt einer traurigen Vorstellung lieferte. Eine Etage tiefer traf ich den Kellermeister, der mich lallend beschimpfte. Dies ließ ich mir selbstverständlich nicht gefallen und so züchtigte ich ihn. Dieser Kampf war insofern unangenehm, als dass ich mich leider in Reichweite seiner widerlichen Alkoholfahne begeben musste. Aber wir Trves sind ja hart im Nehmen und so war auch diese Belästigung bald beseitigt. Neben der Schmiede wartete noch Karl, der mich mit Kohlen bewarf, aber das konnte ich ihm schnell abgewöhnen. Allerdings wurde es nun höchste Zeit, sowohl mich als auch meine Ausrüstung zu säubern. Da kam mir das Badehaus gerade recht. Schnell noch den Bademeister zurechtgestutzt, der mich mit seiner nervigen Trillerpfeife verscheuchen wollte, und bald darauf war der Schmutz entfernt. Erfrischt besuchte ich anschließend den Medicus nebenan und erlebte dort eine Überraschung: Ein Gegner, der sich statt auf Waffen lieber auf Zaubertricks verließ. Ich rief mir noch einmal kurz Nyths Lektionen ins Gedächtnis und forderte Said dann zum Duell. Höhnisch lachte er, bis ich kalt lächelnd mein schwarzes Runenschwert zog. Damit hatte er wohl nicht gerechnet, und so rief er flehentlich fremde Mächte zur Hilfe und versuchte, mich zu lähmen. Schließlich jedoch zeigte sich, dass ich mit meiner Waffenwahl nicht nur den Nagel auf den Kopf getroffen hatte; auch Ib´n Said lag endlich mit gespaltenem Schädel vor mir. Nachdem ich mich noch auf meine im Düsterwald erworbene Fähigkeit besonnen hatte, beendete ich meine Forschungsreise für diesen Tag und zog eine erste Bilanz: Beim Medicus und in der Schmiede kann man Gegner finden, die diesen Namen auch verdienen, die Gladiatoren in der Trainingshalle lässt man besser noch etwas üben, damit der Kampf nicht völlig unausgewogen wird.

Nachdem ich meine Waffen wieder auf Vordermann hatte bringen lassen, galt mein zweiter Besuch in der Schule den verschiedenen Tieren, die dort in Käfigen gehalten wurden. Durch die Gefangenschaft sind alle recht aggressiv geworden und greifen an, was sich ihnen in den Weg stellt. Die Gefährlichkeit der Tierarten ist sehr unterschiedlich: Während ein Schwarm Feuerameisen lediglich lästig ist, ist ein Stegophalus ein Gegner, den man keinesfalls unterschätzen sollte. Da ich den Eindruck hatte, dass Grieselhuck mehr an den nichttierischen Bewohnern der Schule interessiert ist, sei nur soviel gesagt, dass mich keines der Tiere vor eine unlösbare Aufgabe stellte. Im Zweifelsfall möge sich der geneigte Leser einem unbekannten Tier mit großer Vorsicht nähern und zuerst die Kampfweise seines Gegners studieren.

Bei meinem dritten Besuch traf ich als erstes auf den Waffenmeister, den ich auf die mangelhafte Ausbildung der Gladiatoren hinwies. Anscheinend hatte ich damit einen wunden Punkt berührt, denn voll Zorn schleuderte er seinen Pilum in meine Richtung. Ich riss gedankenschnell meinen Schild hoch, um diesen Angriff abzuwehren, und ging in den Nahkampf über. Bald konnte ich feststellen, dass ich mit Tibald einen würdigen Gegner gefunden hatte. Etwas irritierend fand ich seine Vorliebe für den Wurf mit dem Pilum, doch auch das konnte nicht verhindern, dass ich schließlich die Oberhand behielt – auch wenn es eine wieder angenähte war. Den Trick mit dem Pilumwurf hatte ich mir gut gemerkt und beschloss, diese Technik bei Gelegenheit selber einmal auszuprobieren. Auf den Tribünen war niemand, die Arena war verschlossen und so blieb nur noch der nördliche Teil der Schule über. In der Kneipe entdeckte ich eine Kellerluke, die mir bei der ersten Besichtigung nicht aufgefallen war. Doch der Wirt hatte entschieden etwas dagegen, dass ich mich im Keller umsah. Nun, ich hatte etwas dagegen, dass er etwas dagegen hatte, und so musste ich ihn auf andere Weise von der Luke wegbekommen. Meine einzige Sorge dabei war, mir keine Blutvergiftung an seinem rostigen Abflussrohr einzufangen. Anschließend stieg ich in den Keller hinab, fand dort aber niemanden vor. Ich wollte schon wieder gehen, als mir etwas Blinkendes ins Auge fiel. Beim genaueren Nachforschen stöberte ich jedoch erst mal ein Rudel Ratten auf, die direkt der Hölle entsprungen zu sein schienen. Kurz musterten sie mich mit feurigen Blicken, und dann entbrannte ein im wahrsten Sinne des Wortes heißer Kampf. Diese Tiere hatte wirklich nichts mit den possierlichen Tierchen aus der Goblinhöhle gemeinsam. Doch schließlich konnte ich mein Vampirschwert wegstecken und blickte schwer atmend auf ihre Leichen. Nun war eine Stärkung angebracht. Da in der Kneipe niemand mehr bediente, ging ich schnurstracks in die Küche, um dort etwas Essbares aufzutreiben. Aber obwohl ich soeben Ungeziefer beseitigt hatte, welches sich sonst an den Vorräten gütlich getan hätte, wollte mir niemand auch nur ein Stück Brot überlassen. Erbost zog ich abermals mein Schwert und zeigte der Küchenbesatzung, was ich von diesem Undank hielt. Die Küchenhelfer waren schnell Vergangenheit, allein der ungewöhnliche Umgang des Chefkochs mit dem Messer war bemerkenswert. Er schien mich wohl für Schlachtvieh zu halten. Nun ja, irren ist menschlich und in diesem Fall auch tödlich. Leider war ich wohl etwas zu voreilig gewesen, jedenfalls war das Essen auf dem Herd noch nicht fertig gewürzt. Kein Problem, dachte ich, nebenan ist ja die Gewürzkammer. Die alte Frau dort war anfangs auch recht freundlich, bis ich erwähnte, was mit der Küchencrew passiert war. Daraufhin brach sie in üble Verwünschungen aus und hüllte mich in ein wahres Gewitter ein. Geblendet zog ich die erstbeste Waffe aus dem Gürtel und ging meinerseits zum Angriff über. Nun, ich muss sagen, dass die Alte voller Überraschungen steckte. Doch schließlich konnte ich mein Runenschwert wieder wegstecken, ein paar Gewürze auswählen und endlich mein wohlverdientes Mittagessen genießen. Nachdem ich dieses dann verzehrt hatte, stieß ich hinter dem Kühlhaus auf die Putzfrau. Ich wollte schon weitergehen, als sie mich in einem unverschämten Ton anfuhr, gefälligst nicht über den frisch geputzten Boden zu trampeln, aber ihr Lamentieren war nur von kurzer Dauer. Da ich mir Optimus bis zum Schluss aufbewahren wollten, blieb nur noch der Turm mit seinen Bewohnern über.

Also machte ich mich auf zu Nepos Nero. Um es kurz zu machen: Nero hat den Posten als Chefmeister der Arena zweifellos verdient. Er lieferte mir den bis dahin schwersten Kampf, den ich nur durch eine spezielle verstärke Rüstung überlebte. Nachdem meine Wunden versorgt waren, stieg ich die Treppe hoch zu Vladimir. Er ist der Faustkampflehrer und zielt mit Vorliebe auf Kopf und Arme des Gegners. Er war zwar kein leichter Gegner, doch wer Nero besiegt hat, kann auch Vladimir in die Schranken weisen. Weiter oben wartete Rothwulf de Tamarville, ein alter Freund von Optimus. Zu ihm sei gesagt, dass man sich nicht von seiner mangelnden Rüstung täuschen lassen sollte. Er ist durchaus in der Lage, dieses Manko durch besonders schnelle Attacken wieder auszugleichen. Fast ganz oben stieß ich dann auf Gulag. Als oberster Wachoffizier war er sehr erbost über mein gestriges Verhalten den Wachen gegenüber und so drang er sofort auf mich ein. Während des Kampfes musste ich feststellen, dass Gulag viele meiner Kniffe kannte und mich öfters ins Leere laufen ließ. Doch als ich mich dann voll konzentrierte, konnte ich ihm meinen Hammer so oft über den Schädel ziehen, dass er den Todesstoß nicht kommen sah. Nachdem ich meine Wunden gekühlt hatte, kletterte ich den Turm bis ganz oben hinauf, um mich noch mit dem Germanen dort zu messen. Seine merkwürdigen Tätowierungen ließen mich schon Übles ahnen und so trafen mich seine Tricks nicht ganz unvorbereitet. Endlich lag auch er regungslos vor mir, und ich ruhte mich erst einmal ein wenig aus und genoss die Aussicht. Schließlich stieg ich wieder den Turm hinab, um als krönenden Abschluss meiner Forschungsreise mit Clodius Optimus persönlich die Waffe zu kreuzen. Im Büro traf ich jedoch nur den Archivar an. Als ich ihn bat, Optimus meine Forderung zu überbringen, regte er sich furchtbar auf und fuchtelte mit seiner Schreibfeder vor meiner Nase herum. Ein paar Ohrfeigen ließen ihn jedoch seine Verwünschungen vergessen.

Ich betrat also Optimus´ Zimmer und forderte ihn zum Duell. Um den langen Kampf in kurze Wort zu fassen: Optimus ist zwar im Ruhestand, hat aber keineswegs seine im Struv erworbenen Fertigkeiten verlernt. Sein Rang als Zalkh´Batar ist jedenfalls verdient. Lange wogte der Kampf hin und her, doch schließlich konnte ich einen mörderischen Todesstoß ansetzen und beendete damit Optimus´ Siegesserie. Ich salutierte noch einmal und begab mich dann nach Hause, um meine Wunden auszukurieren und diesen Bericht zu verfassen.

Fazit

Die meisten Gegner (ob sie nun den Namen verdienen oder nicht) in der Gladiatorenschule verursachen im Kampf „mechanischen“ Schaden (wie es ein Zauberer nennen würde) und sind gegen diesen auch dank ihrer Rüstungen mehr oder weniger gut geschützt. Die Ausnahmen habe ich oben aufgeführt oder sagen einem der gesunde Menschenverstand (respektive Elfen-, Zwergen-, Hobbit- oder Felinenverstand). Schließlich dürfte es jedem einleuchten, was man z. B. bei einem so feuerverbundenen Wesen wie einem Cyklop zu erwarten hat. Außergewöhnliche Waffen oder Rüstungen sind in den wenigsten Fällen nötig; dass man in dieser sonnenverwöhnten Gegend ein Feuerschwert meist im Gürtel lassen kann, versteht sich von selber. Lässt man einmal die gefangenen Tiere beiseite, so sieht man sich oft Gegnern mit Waffen gegenüber, sodass die sichere Beherrschung des Unterlaufens (oder des Blocks, falls man nicht alleine kämpft) einen nicht zu unterschätzenden Vorteil bringt. Auch Besitzer eines Sabberamulettes sollten sich den Weg zur Krankenstation (oder zu einer vergleichbaren Einrichtung) sorgfältig einprägen.

Was die Kampfkraft der menschlichen Bewohner der Schule angeht, lässt sich sagen, dass Optimus, die Bewohner des Turmes sowie der Waffenmeister eine würdige Herausforderung sind. Das traurige andere Ende stellen erwartungsgemäß die jungen Nachwuchsgladiatoren dar. Durch diese große Bandbreite bietet sich auch für Gra´Takal die Möglichkeit, hier einen adäquaten Gegner zu finden.

Nicht erwähnt habe ich bisher die Anwesenheit von ein paar hartnäckigen Elementaren und einigen noch exotischeren Wesen, da man sie für gewöhnlich nicht zu Gesicht bekommt, ebenso wenig wie den „Deckenschmuck à la Zwackelmann“.

Abschließend kann also gesagt werden, dass die Lehrer der Gladiatorenschule durchaus fähige Kämpfer sind, aber im Gegensatz zur Ausbilderin und den Ausbildern der Trves scheinen sie nicht in der Lage zu sein, ihr Können auch weiterzuvermitteln. Bisher hatte ich diese Fähigkeit meiner Lehrer immer für selbstverständlich erachtet, doch nun musste ich sehen, dass dem nicht so ist. Und so möchte ich an dieser Stelle meinen Bericht mit einem Dank an alle diejenigen schließen, die mich auf meinem Weg be- und angeleitet haben. Ohne sie wären die Trves nicht, was sie sind: der Inbegriff der Kämpfer.

Takal´Mor Dotz

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